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grill station

fuer diese currywurst
lauf ich halt ein paar kilometer

(EXPRESS)

es war kurz vor zehn & die etwas schäbig in einen seit wochenfrist benutzten kittel gekleidete ältere dame machte schon anstalten, den laden zu schließen. als klausi currywurst mit pommes bestellte, hellte sich ihre miene merklich auf, was mir unverständlich vorkam. auf ihren auffordernden blick winkte ich mit einem kopfschütteln ab. wir hatten nur kurz angehalten, um etwas zu essen & ein paar bier zu holen, danach im wagen den letzten joint zu rauchen & zu beratschlagen, wo das meiste vergnügen aus der angebrochenen sauftour herauszuholen wäre. ich schaute mich ein wenig in der grill station um. die bude war so schmierig wie eine pommesbude eben grade noch erscheinen durfte. vor der holztäfelung waren handgeschriebene schilder mit hinweisen auf das repertoire der schnellküche angebracht. die gerichte waren bis auf wenige ausnahmen urdeutsch & die verwendete orthographie sowie der schwung der buchstaben wiesen den autor als groben laien in sachen werbung aus. im eingangsbereich hing ein autogrammfoto von walter giller aus seiner besten zeit mit dem zusatz "vielen dank für chili con carne". irgendwas machte das bild halb sympathisch, halb unausstehlich. die ganze atmosphäre & die überfreundliche frau hinterm tresen ließen mich wünschen, statt dort zu warten in einem waschsalon zu sitzen & auf radikal unpersönlichen kram wie zb eine offenstehende heißmangelklappe zu schauen.

klausi schaute zu mir herüber. irgendetwas schien ihn zu beunruhigen. die currywurst wurde gewissenhaft zubereitet. leise, so daß die frau es nicht mitbekommen sollte, fragte er mich: sag mal, ist es möglich, daß dein schädel größer geworden ist? ich hatte vor einem wandspiegel des imbiß kurzfristig auch schon den eindruck gehabt. ich hab in letzter zeit viel nachgedacht, sagte ich. ich sah keinen wirklichen kausalen zusammenhang, dennoch schienen mir meine worte die einzig passende antwort.

als wir im auto saßen um zu verzehren schwoll mein kopf stufenlos weiter an, doch ich hatte kein interesse, das schauspiel im beifahrersonnenblendeninnenspiegel zu betrachten. ich hatte lediglich das gefühl, als würde möglicherweise mein körper von meinem hirn absorbiert. klausi sagte, daß die currywurst wirklich vorzüglich sei, was ich mit dem laden, in dem wir uns grade noch aufgehalten hatten, irgendwie nicht in einklang bringen konnte.

ich trank ein schnelles pils vom kiosk & ohne daß ich der angelegenheit weitere aufmerksamkeit geschenkt hätte, begann mein schädel wieder auf die übliche größe zurückzuschrumpfen. in klausis augen registrierte ich verbindliche erleichterung. wir freuten uns, opferten die letzte tüte & fuhren auf die immer schillernder erscheinenden lichter der großen ringstraße zu, wohin wir zwar auf keinen fall wollten, doch deren ephemere schönheit jetzt den einzig konkreten ausdruck unserer geistigen projektionen markierte.

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